![]() |
|
Schϋler der Deutschsprachigen Schule Bangkok schreiben ihre Gedanken auf |
|
Erster Schultag nach der Flutwelle, 10.01.2005 Plötzlich ruft meine Tante an und fragt: „Seid ihr in Phuket oder in Khao Lak?“ Meine Mutter hat gesagt: „Nein, wir sind in Vietnam.“ Meine Mutter hat mit ihr geredet und wusste, was passiert war. Wir waren im Hotel und haben im Fernseher geschaut. Ich habe mich einfach so gewundert, was da passiert ist. Ich habe gesagt: „Was soll denn das im Fernsehen, das stimmt doch gar nicht.“ Meine Mutter hat erzählt, was Tsunami ist und was da passiert ist. Ich habe mich sehr erschrocken. Ich habe vielmals Fernseher geschaut. Es ist soo schade, dass soooooo viele Menschen gestorben sind. Ich wünsche den Leuten, die noch leben, sehr viel Glück und viel Geld. Wenn wir dann in die Landschulwoche gehen, ans Meer, da habe ich keine Angst, nur ein ganz, ganz kleines bisschen Angst. Das Unglück im Süden Sonntag, ein Tag voller Lust. Aber plötzlich kam eine Warnung über ein großes Erdbeben. Aber am Strand Familien, Kinder und Erwachsene, sie spielen, baden und spazieren. Aber niemand wusste, was in ein paar Minuten passiert. Plötzlich kam es, aber die Leute stehen still und gucken zu. Danach gab es zehn Minuten voller Geschrei und Leute, die weggewischt wurden. Leute halten sich fest an allem, was sie sahen. Es kam nicht als Erdbeben, aber als sehr große Wellen. 100.000 Tote und Verlorene. Aber wie man auf Englisch sagt: Nature fights back.
Angesichts dieser Katastrophe wurde mir klar,
wie nahe Leben und Tod wirklich sein können. Als ich unmittelbar nach der letzten Welle mich zwingen wollte, etwas Frühstücken zu gehen, um wieder etwas zur Normalität zurückzukehren, kamen immer noch weinende Touristen vom Strand, die von Einheimischen getröstet und gestützt wurden. Verletzte und Tote wurden im Minutentakt von der Polizei vor meinen Augen abtransportiert. Bilder wie diese werde ich in meinem Leben nie vergessen. Tiere im Tsunami-Gebiet
Denkt man eigentlich auch an die Tiere, die
im Tsunami-Gebiet waren oder ist das nicht
nötig? Ich schäme mich ein wenig sagen zu müssen, dass diese Angelegenheit auf mich relativ wenig oder auch gar keine Wirkung im emotionalen Sinn hatte. Meine Gründe für meine Aussage sind, dass ich als ewiger und pausenloser Medienempfänger durch die konstanten Katastrophen, Terroranschlägen, Krankheitswellen und anderweitige Todesfälle, die durch die Nachrichten geschildert werden, total unempfindlich auf solche Vorfälle reagiere. Es geht kein Monat vorbei, zumindest nicht in den letzten 2 – 3 Jahren, wo es nicht die eine oder andere Katastrophe gab. Es findet eine Abhärtung des Medienempfängers statt, die ein gewisses Grad von Gleichgültigkeit hervorruft. Das heißt jedoch nicht, dass ich keine Sympathie für die Betroffenen habe, und ich glaube, es ist auf jeden Fall nötig, den Opfern eine helfende Hand zu reichen. Und wenn man schon keine Tränen über eine solche Tragödie vergießen kann, sollte man zumindest den ihnen gebührenden Respekt erweisen und nicht wie manche Touristen, den Urlaub in Phuket, trotz herumliegender Leichen, fortsetzen und nicht einmal mit dem Retten von Menschenleben oder Aufräumen des Ortes helfen. Dankbar bin ich für die Menschen, die uns unmittelbar geholfen haben, uns Wasser und Essen gebracht haben, obwohl wir nichts bei uns hatten, um sie für ihren Einsatz zu belohnen. Anderen Leuten wurden sofort Kleidung und Schuhe gebracht, die alles in den Fluten verloren haben. Es ist erfreulich zu sehen, dass es spontan viele freie Helfer gab, die Tag und Nacht nach Vermissten gesucht haben und Verletzte betreuten. Ich danke auch dem Hotel-Management, das sofort reagiert hat und alle in Sicherheit brachte. Diese rasche Handlung hat vielen Menschen dort das Leben gerettet. Ich finde es sehr schlimm. Ich hab gehört, dass Eltern vier Kinder hatten, ein Mädchen und drei Jungs. Jetzt leben nur noch die Eltern und das Mädchen. Eine Schweizer Familie war weit draußen auf dem Meer. Zum Glück hat die Tsunami ihnen nichts gemacht. Die Familie haben wir gekannt, sie ist nachher zu uns gekommen. Meine Mutter kannte eine Frau, die ihren Mann verloren hat. Betroffenheit war schon vorhanden. Man fühlte sich extrem hilflos, als die Welle kam, da es etwas war, wogegen wir uns als zivilisierte fortschrittliche Welt nicht schützen konnten. In den Momenten nach der Welle fiel einem auf, was einem wirklich wichtig ist im Leben und wie unwichtig einen auf einmal materielle Dinge erscheinen. Die Furcht vor einer noch größeren Welle und damit vor dem Tod, brachte einen dazu, alles stehen und liegen zu lassen, um somit sein Leben zu retten. Zugleich dachte man aber auch an die, die es nicht mehr geschafft haben, sich vor der Welle in Sicherheit zu bringen, wie zum Beispiel die Strandverkäufer mit ihren schwer tragbaren Verkaufsständen. Das wahre Ausmaß der Katastrophe wurde einem dann erst ein paar Tage später bewusst, als man die Möglichkeit hatte, CNN Bilder im TV zu sehen. Dort sah man dann, wie viel Glück diejenigen hatten, die mit dem Leben davongekommen sind und war extrem betroffen über die Hunderttausende, die dieser fürchterlichen Flutwelle zum Opfer fielen. Eine Katastrophe, die Tod gebracht hat … Eine Katastrophe, die Familien auseinander gerissen hat … Ich glaube, die Tsunami hatte einen Grund. Wir sehen jetzt grad nur Schlechtes. Meistens sehen wir das Gute nicht. Zum Beispiel jetzt sind Thais viel mehr aufmerksam. Aber es ist immer noch traurig. Auch des Königs Enkel ist gestorben. Ob gut oder schlecht, alle haben ein wertes Leben. Diese Katastrophe hat sich wie ein glühendes Eisen in meine Erinnerungen gebrannt. Ich werde das nie vergessen. Die Flutwelle
Auf Luftmatratzen, Schränken, ja sogar auf
Bänken, Hast du von dem Tsunami gehört? Ich habe zwar keine Opfer zu beklagen, aber ich habe Mitleid mit den betroffenen Leuten. … Es war kürzlich Kindertag und es war überhaupt nicht lustig, weil alle an die toten Menschen gedacht haben. … Ich habe in den Nachrichten gehört, dass es Kinder gab, die ihre Eltern verloren haben. Du musst dir mal vorstellen, deine Eltern wären tot. Du bist allein, niemand wird dich jemals so lieb haben wie deine Eltern. … Und die Eltern haben auch keine Kinder mehr. Da macht das Leben nicht mehr Spaß. In ein paar Minuten ist dein Leben zerstört. Ich frage mich, für wen die Schicksale schlimmer sind… Für meine Bekannten, die gestorben sind? Für meine Freunde, die überlebten, aber alles sahen? … Sie erlebten die Hölle im Paradies. Ein Freund von mir wusste, als er am Strand war, dass ein Tsunami kommen würde. „Achtung, da kommt ein Tsunami! Rennt alle auf das höher liegende Hotel!“ Manche gingen mit, doch viele beschimpften ihn: „Panikmacher! Ich bin schon zehn Jahre in Thailand. So was gibt’s nicht.“
Wo bist du?
|