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Zur Zeit leben im Sparrow Home in Nonthaburi bei Bangkok 17 Kinder. Unsere Gemeinde unterstützt dieses Haus. Hier der Bericht über eines dieser Kinder. 

AMISO

Von Monika Dettmann
Übersetzung aus dem Englischen: Isolde Bartel

Seitdem ich wusste, dass Amiso uns verlassen würde, habe ich mich vor diesem Abschied gefürchtet.  

Amiso tat mir leid. Ihr Blick war voll ängstlicher Erwartung, als ich ihr sagte, dass sie nun nach Hause ginge. Wo war ihr Zuhause? Heimat war für sie bis zu diesem Tag unser Spatzennest, das SPARROW HOME, ein durch Spenden finanziertes Kinderheim am Stadtrand von Bangkok. Es ist ein recht kleines Haus, das rund 15 Kinder im Alter zwischen 1 und 10 Jahren beherbergt. Das Leben dieser Kinder begann aussichtslos, denn sie sind alle in einem Bangkoker Gefängnis geboren, wo ihre Mütter für eine bestimmte Zeit einsitzen.  

Amiso kam zu uns, als sie gerade etwas über einem Jahr alt war; als niedliches kleines Baby mit großen dunklen Augen. Ihre Mutter, eine Angehörige eines Bergstammes im Norden Thailands, war wegen Drogenschmuggels zu zehn Jahren Haft verurteilt. Während ihres ersten Jahres im Gefängnis hat sie Amiso auf die Welt gebracht, ihr achtes Kind. 

Als ich Amiso zum ersten Mal sah, hat sie mich sofort für sich eingenommen. Ihre Augen suchten nach mir, und ihr Blick wollte sagen, umarme mich doch oder schenk mir wenigstens ein Lächeln. Ich nahm sie auf meine Arme und hielt sie fest. Sie schrie nicht, sie schaute mich nur eindringlich an.

Amiso entwickelte sich in unserem Spatzennest zu einem glücklichen und aktiven Kind. Sie hatte kein typisches Mädchenverhalten, sie war ein kleiner Wildfang. Sie spielte vor allem mit den Jungs und war dabei immer „der Chef“. War dies vielleicht schon ein Hinweis auf ihr künftiges Schicksal? 

Mit fünf Jahren meldeten wir sie in einem örtlichen Kindergarten an. Wir hatten damals schon bemerkt, dass sie ein intelligentes Kind ist und dazu künstlerisch begabt. Ihre kleinen Zeichnungen waren wunderschön. Eines Tages zeigte sie mir voller Stolz ein Büchlein mit einer kleinen Bild-Geschichte. Die Bilder malte sie alle selbst. Ihr Enthusiasmus war einfach herrlich. 

Der erste Schultag war ein aufregender Tag für uns alle. Wie stolz war sie auf ihren kleinen Rucksack und ihre neue Uniform! An diesem Tag gab es keine Tränen, nur Glück und fröhliches Lachen. Am Ende des Schuljahres war sie die Zweitbeste in einer Klasse mit 41 Kindern. Unser Stolz war grenzenlos.  

Wir beschlossen, dass sie ein besonderes Geschenk bekommen sollte: Etwas, was sie sich wirklich wünscht. Wünsche zu erfüllen in einem Heim mit 14 anderen Kindern ist nicht immer leicht. Aber als sie endlich ihren Wunsch äußerte, waren wir überrascht. Ihr Traum war, ’Winnie-The-Pooh-Bär’ ganz für sich selbst zu haben. Selbstverständlich konnte dieser Wunsch erfüllt werden, und ein paar Tage später leuchteten ihre Augen vor Glück. 

Die weiteren Jahre übertraf sie sich selbst beim Lernen. Sie wuchs heran und entwickelte ihre eigene Persönlichkeit.  

Plötzlich wurde uns bewusst, dass die Zeit der Entlassung ihrer Mutter näher kam. Was wird mit Amiso geschehen, wenn sie in das Dorf ihrer Mutter gebracht wird, das tief in den Bergen liegt? Wird sie dort glücklich werden? Wird sie einen völlig neuen Lebensstil und andere Gewohnheiten annehmen können? Am meisten sorgten wir uns darum, ob sie weiter eine Schule besuchen könnte.  

Dann wurde die Mutter entlassen, und wir alle waren voller Erwartung. Wir versuchten die Mutter davon zu überzeugen, zunächst in Bangkok zu bleiben, damit Amiso ihr Schuljahr zu Ende bringen könnte. Das war im März 2004. Widerwillig stimmte sie dem Vorschlag zu, und die Stiftung bot ihr einen Job als Haushaltshilfe im Spatzennest an. So bekamen Mutter und Tochter Zeit geschenkt, sich besser kennen zu lernen und eine Beziehung zueinander zu entwickeln. 

Aber dann kam der Tag des Abschieds. Die Zukunft war unsicher und Amiso fühlte das. Bei meinem letzten “Good bye” kämpfte ich mit den Tränen. Jedoch wollte ich Amiso meinen Schmerz nicht zeigen und tat so, als ob ich sehr zuversichtlich wäre, weil nun ja alles sehr spannend werden würde für sie. Aber ihre Augen zeigten mir, was sie wirklich fühlte.  

Als ich eine Woche später wieder ins “Sparrow home” kam, war sie weg und alles so ungewohnt ruhig.  

Von ihrem Bergdorf rief sie uns einige Male an und fragte, ob sie nicht zurück kommen und hier weiter zur Schule gehen könnte. Wir erklärten ihr, dass sie nun in eine andere Schule, näher an ihrem neuen Zuhause, gehen würde.  

Nun meldete sich eine ihrer älteren Schwestern und erzählte uns, dass
Amiso in einer Schule angemeldet sei, weg vom Dorf. Dort könne sie zusammen mit einer anderen Schwester sein. Natürlich ist das nicht die ideale Situation für Amiso. Eine andere Möglichkeit gibt es für sie momentan jedoch nicht. 

Unsere Stiftung hat jetzt beschlossen, Amiso die Gebühren für die Sekundarschule zu bezahlen, wenn sie diese in drei Jahren besuchen wird. Sie soll die Ausbildung erhalten, die sie braucht, um auch in Zukunft gute Chancen zu haben. 

Vorsitzende der Stiftung:

Claudia Boczek-Stone, Tel: 0 2583 0550

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