Newsletter: DIE BRÜCKE

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Unser Newsletter, DIE BRÜCKE, erscheint in regelmäßigen Abständen und wird
per Email an alle Gemeindemitglieder und Freunde der Evangelischen Gemeinde verschickt. Er enthält auch jeweils alle aktuellen Termine.

                                   
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Jede BRÜCKE ist eine Einladung -
 

Auszüge aus dem Newsletter der Evangelischen Gemeinde in Thailand
vom 28. Mai 2010


Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Familien und Freunde,


 "An diesem Sonntag werden Pfarrer Burkhard Bartel und seine Frau Isolde nach 6 ˝  Jahren in Thailand von der Gemeinde verabschiedet. Der Gottesdienst beginnt um 11.00 Uhr. Die ganze Gemeinde und alle Freunde sind herzlich zum Abschieds-gottesdienst und zum anschließenden Mittagessen und zum Nachmittag der Begegnung eingeladen. Dazu ist im Pfarrgarten das große Zelt aufgestellt. Im Juli beginnt Pfarrer Bartel seinen Dienst in Stuttgart."

So ist das Wichtigste zu diesem Anlass mit wenigen Worten für die Zeitung erzählt. Wenn das nur so einfach und so leicht wäre! Beim Abschied denken wir zurück an die vielen Begegnungen und Gespräche und an so viele gemeinsame Erlebnisse. Und wir sind weit davon entfernt, für alles angemessene Worte zu finden. Bis jetzt haben wir uns noch wenig mit der Ankunft in Deutschland und der neuen Stelle beschäftigt. Das Leben hier ist so dicht gedrängt und so voller Überraschungen, dass dazu einfach die Zeit fehlte.

             
   "Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, mögest du den Wind im Rücken haben!"
     Irischer Segen


Mit dem Kirchengemeinderat und mit vielen Freunden haben wir in den letzten Tagen unser Leben hier nochmals Revue passieren lassen. Im Rückblick bleibt vor allem ein tiefer Dank an sehr viele Menschen, die uns in unserer Zeit hier begleitet haben. Ein herzlicher Dank geht an die Mitglieder des Rates, an die jetzigen und an die früheren, an unsere beiden Maids Booh und Pon, an die Konfirmanden vom 16. Mai und an alle früheren, an die Kinderkirchmitarbeiterinnen und die Organisten, an die Chorsänger und die Leute vom Gefangenenbesuchskreis, an die Schülerinnen und Schüler der DsSB und die Kolleginnen und Kollegen, an den Hilfsverein, an die Mitarbeiter der Botschaften und an alle bei unserer Partnerkirche Church of Christ in Thailand und an ungezählte andere. Dabei wird mir auch bewusst, wie oft ich jemandem etwas schuldig geblieben bin.

             
                 Abschied bei der Kirchenleitung der Church of Christ in Thailand (CCT)
                                    bei der Übergabe der Luther-Statue.


Wir wohnten gern hier in Bangkok, und wir freuten uns auch immer auf die Besuche bei unseren Gemeinden in Pattaya und Chiang Mai, in Vientiane und Phnom Penh und in Yangon. Und wir hätten gern auch noch eine Zeit hier bleiben können. Doch wir freuen uns auch, jetzt wieder in der Nähe unserer Familien und Freunden in Deutschland sein zu können. Wir spürten, dass sie sich unsere Rückkehr wünschen. Wir hatten eine schöne Zeit hier. Aber es gab auch eine ganze Reihe von großen Herausforderungen und Sonderaufgaben. Wir konnten mithelfen nach der Tsunami-Katastrophe oder auch bei der Koordination nach dem Wirbelsturm Nargis in Burma. Die Besuche in den burmesischen Flüchtlingslagern nördlich von Mae Sot waren uns wichtig. Die ausgedehnte Sozialarbeit wird auch in Zukunft eine herausragende Bedeutung für die Gemeinde haben.

Und nun verlassen wir Thailand zu einem Zeitpunkt, wo die Zukunft offen ist und wir zurecht viele besorgte Stimmen hören. Wird das Land weiter absinken in Gewalt und Korruption, oder gibt es gerade jetzt eine begründete Hoffnung auf Versöhnung und Demokratie? Das Leben hier im Zentrum der Stadt will erst so langsam wieder beginnen. Viele Menschen sind noch wie gelähmt, denn sie spürten wohl zum ersten Mal, wie tief die Spaltung in der Gesellschaft doch ist. Und sie wünschen sich so sehr einen Weg aus dem Chaos und einen dauerhaften Frieden.

              
                           Am Central World-Kaufhaus: Blumen und Tränen

Meine Sache war es, das Evangelium von der Liebe Gottes zu allen Menschen weiter zu geben. Eine schönere Aufgabe gibt es nicht. Ich möchte weitergeben, was ich selbst erfahren habe. Wir sind befreite Kinder Gottes. Wir müssen uns nicht abmühen dafür. Jesus gab den Menschen ein großes Selbstvertrauen und damit ihr Glück. So oft sagte er den Satz zu anderen: "Fürchte dich nicht!" Wir können frei und entspannt und aufmerksam leben im Hier und Jetzt. Die Würde des Menschen und der aufrechte Gang sind mir zu Hauptwörtern geworden in der Nachfolge des Nazareners. Ich lasse mich gern leiten von der diesjährigen Jahreslosung: „Jesus Christus spricht: "Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!" Jesus liebte das Leben und lebte die Liebe, und gerade darin war und ist er das eine Wort Gottes für mich und uns. Ich wünsche euch, dass ihr den Segen Gottes spürt in eurem Leben und dass ihr selbst ein Segen für andere sein könnt.

Ich fand in den letzten Tagen Abschiedsworte, die ich mir zu eigen machen kann und die ich euch/Ihnen gern weitergeben möchte. Ich kann es nicht schöner sagen als Matthias Claudius in seinem Brief an seinen Sohn Johannes im Jahre 1799. Ich schenke euch diesen Text in einer leicht gekürzten Fassung.

Auf Wiedersehen und Gott befohlen,
eure/ Ihre
Burkhard und Isolde Bartel

An meinen Sohn Johannes, 1799

Gold und Silber habe ich nicht;
was ich aber habe, gebe ich dir.

Lieber Johannes!

Die Zeit kömmt allgemach heran, dass ich den Weg gehen muss, den man nicht wieder kommt. Ich kann dich nicht mitnehmen und lasse dich in einer Welt zurück, wo guter Rat nicht überflüssig ist.

Niemand ist weise von Mutterleibe an; Ich habe die Welt länger gesehen als du. Es ist nicht alles Gold, lieber Sohn, was glänzet, und ich habe manchen Stern vorn Himmel fallen und manchen Stab, auf den man sich verließ, brechen sehen. Darum will ich dir einigen Rat geben und dir sagen, was ich gefunden habe und was die Zeit mich gelehret hat.

Es ist nichts groß, was nicht gut ist; und nichts wahr, was nicht bestehet.

Halte dich zu gut, Böses zu tun. Hänge dein Herz an kein vergänglich Ding.

Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, lieber Sohn, sondern wir müssen uns nach ihr richten.

Was du sehen kannst, das siehe, und brauche deine Augen, und über das Unsichtbare und Ewige halte dich an Gottes Wort.

Bleibe der Religion deiner Väter getreu und hasse die theologischen Kannengießer.

Lerne gerne von andern, und wo von Weisheit, Menschenglück, Licht, Freiheit, Tugend etc. geredet wird, da höre fleißig zu. Doch traue nicht flugs und allerdings, denn die Wolken haben nicht alle Wasser, und es gibt mancherlei Weise. Sie meinen auch, dass sie die Sache hätten, wenn sie davon reden können und davon reden. Das ist aber nicht, Sohn. Man hat darum die Sache nicht, dass man davon reden kann und davon redet. Worte sind nur Worte, und wo sie so gar leicht und behände dahin fahren, da sei auf deiner Hut, denn die Pferde, die den Wagen mit Gütern hinter sich haben, gehen langsameren Schritts.

Wenn dich jemand will Weisheit lehren, da siehe in sein Angesicht. Dünket er sich noch, und sei er noch so gelehrt und noch so berühmt, lass ihn und gehe seiner Kundschaft müßig. Was einer nicht hat, das kann er auch nicht geben. Und der ist nicht frei, der da will tun können, was er will, sondern der ist frei, der da wollen kann, was er tun soll. Und der ist nicht weise, der sich dünket, dass er wisse; sondern der ist weise, der seiner Unwissenheit inne geworden und durch die Sache des Dünkels genesen ist.

Wenn es dir um Weisheit zu tun ist, so suche sie und nicht das deine, und brich deinen Willen und erwarte geduldig die Folgen.

Verachte keine Religion, denn sie ist dem Geist gemeint, und du weißt nicht, was unter unansehnlichen Bildern verborgen sein könne.

Es ist leicht zu verachten, Sohn; aber verstehen ist viel besser. Lehre nicht andre, bis du selbst gelehrt bist.

Nimm dich der Wahrheit an, wenn du kannst und lass dich gerne ihretwegen hassen; doch wisse, dass deine Sache nicht die Sache der Wahrheit ist, und hüte, dass sie nicht ineinander fließen, sonst hast du deinen Lohn dahin. Tue das Gute vor dich hin, und bekümmre dich nicht, was daraus werden wird.

Wolle nur einerlei, und das wolle von Herzen.

Sorge für Deinen Leib, doch nicht so, als wenn er deine Seele wäre.

Gehorche der Obrigkeit, und lass die andern über sie streiten.

Sei rechtschaffen gegen jedermann.

Mische dich nicht in fremde Dinge, aber die deinigen tue mit Fleiß.

Schmeichle niemand, und lass dir nicht schmeicheln. Ehre einen jeden nach seinem Stande, und lass ihn sich schämen, wenn er's nicht verdient.

Wolle nicht immer großmütig sein, aber gerecht sei immer.

Mache niemand graue Haare, doch wenn du Recht tust, hast du um die Haare nicht zu sorgen.

Misstraue der Gestikulation, und gebärde dich schlecht und recht.

Hilf und gib gerne, wenn du hast, und dünke dir darum nicht mehr; und wenn du nicht hast, so habe den Trunk kalten Wassers zur Hand, und dünke dir darum nicht weniger.

Tue keinem Mädchen Leides und denke, dass deine Mutter auch ein Mädchen gewesen ist.

Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagest.

Hänge dich an keinen Großen.

Sitze nicht, wo die Spötter sitzen, denn sie sind die elendesten unter allen Kreaturen.

Nicht die frömmelnden, aber die frommen Menschen achte und gehe ihnen nach. Ein Mensch, der wahre Gottesfurcht im Herzen hat, ist wie die Sonne, die da scheinet und wärmt, wenn sie auch nicht redet.

Habe immer etwas Gutes im Sinn.

Wenn ich gestorben bin, so drücke mir die Augen zu und beweine mich nicht.

Stehe deiner Mutter bei und ehre sie so lange sie lebt und begrabe sie neben mir.

Und sinne täglich nach über Tod und Leben, ob du es finden möchtest, und habe einen freudigen Mut; und gehe nicht aus der Welt, ohne deine Liebe und Ehrfurcht für den Stifter des Christentums durch irgendetwas öffentlich bezeuget zu haben.

Dein treuer Vater
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