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Unser Newsletter,
DIE BRÜCKE, erscheint in regelmäßigen Abständen
und wird
per Email an alle Gemeindemitglieder und
Freunde der Evangelischen Gemeinde verschickt. Er
enthält auch jeweils alle aktuellen Termine.
Auszüge aus dem Newsletter der Evangelischen Gemeinde
in Thailand
Liebe
Gemeindemitglieder,
liebe Familien und Freunde,
Weihnachten breitet sich aus. Im Adventscountdown kommen
wir nun schnell zum Weihnachtsfeuerwerk. Weihnachten wird
weltweit neu erfunden, auch hier in Thailand. Das Großfest
der Christenheit wird in alle Welt exportiert und nun
inkulturiert. Wir erleben in diesen Tagen, wie sich dabei
nicht nur das Brauchtum, sondern auch die Inhalte verändern.
Die Lieder und der Baum mit den Kugeln bleiben, der Inhalt
aber bleibt auf der Strecke. Wir Christen kennen die
Weihnachtsgeschichte mit Ochs und Esel und den Hirten. Wir
kennen den Anfang im Stall und den Weg bis zum Ende am
Kreuz. Hier sind wir eingeladen zum Gespräch. Unsere Gute
Nachricht ist die Menschwerdung Gottes in einem Kind in der
Krippe. Der Friede Gottes gilt allen. "Fürchtet euch nicht
in dieser Welt, der Retter ist da!"
Wie geht es Ihnen persönlich mit Weihnachten? Freuen Sie
sich auf Heiligabend? Haben Sie sich schon überlegt, wem
Sie dieses Jahr eine besondere Freude machen möchten? Lieben
Sie Lametta? Gibt es in Ihrem Haushalt einen Nussknacker?
Gehen Sie ins Weihnachtskonzert? Besuchen Sie die
Christvesper? Oder entfliehen Sie dem ganzen Klimbim mit
Kommerz, Bratäpfeln und Putenbraten? Dann sind Sie hier in
Thailand ja am richtigen Ort, denn 95% der Menschen sind
Buddhisten, und Sie würden auch Mühe haben, hier jemanden zu
treffen, der Ihnen Sinn und Inhalt von Weihnachten erklären
könnte.

„Wenn es Weihnachten nicht gäbe, dann müsste man es
erfinden.“ Das sagte mir kürzlich ein sonst
kirchenkritischer Freund hier in Thailand. „Was denn“,
fragte ich mit Hintergedanken, „müsste deiner Meinung nach
denn da erfunden werden?“ Und dann kam das ganze Eiapopeia
vom Fest der Familie und schöner Stimmung, von
Weihnachtsgans und Kindergeschenken, von Ankurbelung der
Wirtschaft und Kaufkraftabschöpfung. Ich war platt. Auch bei
ihm konnte ich mir nicht vorstellen, dass er sich ein
Weihnachtsfest zu wünschen vermag ohne damit das
Lukasevangelium Kapitel zwei und die Geschichte mit Herodes
und den Hirten und Maria zu verbinden.
Die Umstände allerdings geben meinem Freund Recht.
Weihnachten wird ja gerade neu erfunden. Wir befinden uns
mitten drin, und wir alle sind Teilnehmer einer globalen
Neuerfindung von Weihnachten. Die Bangkok Post der letzten
Tage legt ein beredtes Zeugnis davon ab. Da finden sich
hunderte von Geschenkinspirationen für die „festliche Zeit“,
die X-mas genannt wird. Viele Ideen werden da offeriert vom
herkömmlichen Geschenkkorb mit Feinschmecker-Leckerbissen (customary
hamper with gourmet seasonal treats) und einem geschmorten
Christmas-Schinken bis zu einem Feiertags-Hotel-Angebot für
die ganze Familie in einem Himmelbett eines
Fünfsternehotels.
Nach dem Preis sollte man gar nicht erst fragen. Der macht
ja die festliche Zeit erst zu einer solchen. Das wird
einfach bezahlt. Es muss die Nachfrage geben, wenn sich ein
namhaftes Hotel am Fluss getraut, ein Weihnachtsmenu zu
offerieren für 25.000 Baht. Jetzt sind wir also mitten drin
im Geschehen. Sagten wir nicht, dass man Weihnachten
erfinden müsste? Hier geht es aber ums Geld und ums
Geschäft. Man kann natürlich auch sagen, dass es um perfekte
Geschen-ke geht und darum, anderen Freude zu bereiten.
Und dann gibt es noch die andere Seite von Weihnachten, die
man vielleicht auch erfinden müsste, wenn es sie nicht gäbe.
Das sind die wohligen Gefühle und die schönen Stimmungen,
die Erinnerungen an die Kindheit und einfach der Zauber von
Lebkuchen und Tannenduft. Wir unternehmen viel, um diese
Atmosphäre zu erzeugen, die uns allen in die Kindheit
scheint. Im Kaufland Paragon erklingt ohne Ende das Lied:
"Rudolph, the red nosed reindeer" und im Emporium dudelt es
auch nicht schlecht: "I'm dreaming of a white christmas".
Begrüßt wird man bei 30 Grad vom echten Weihnachtsmann mit
rotem Mantel und Zipfelmütze. Auch eine Neuerfindung! Dieser
Klon, der eine Mischung darstellen soll zwischen dem
Heiligen Nikolaus und dem Christkind, dient dem größten
Getränkehersteller mit dem braunen Zuckerwasser seit über 80
Jahren als bester Werbeträger. Vorsicht also wiederum: Hier
geht es um Ihr Geld und um Ihre Gesundheit.
Weihnachten ist weltweit im Kommen. Es breitet sich
wellenartig aus wie der Valentinstag oder Halloween, ganz
unabhängig von lokalen Kulturen oder Religionen. Weihnachten
im Buddhismus? Es wird eben einfach neu erfunden und an die
lokalen Bedürfnisse angepasst. Einigermaßen verzweifelt
versuche ich dazwischen zu rufen: „Weihnachten ist aber doch
ein durch und durch christliches Fest!“
Mein Ruf wird übertönt von dem Allerweltsschlager „I wish
you a merry Christmas and a happy New Year“.
Man muss doch
kein Christ sein, um dieses Liedchen fröhlich mitträllern zu
können. Und die Thailänder, zumindest die, die im Central
World einkaufen, können das inzwischen ganz gut.
Nun will ich keinem Buddhisten in Udon Thani und keinem
Moslem in Min Buri sein Weihnachtsfest schlecht machen.
Stattdessen lade ich ein zur Informationsweitergabe und zur
Aufklärung. Jetzt sind wir Christen dran mit unserer
zweitausendjährigen Tradition.
„Jesus
is the reason for the season!“
Diesen Spruch
ließ eine christliche Kirche in Malaysia vor einigen Jahren
großflächig plakatieren. Der Satz deutet den richtigen
Inhalt schon an, aber das allein reicht noch nicht aus. Wir
Christen sind eingeladen, von unserem Glauben zu erzählen,
ganz nach dem Motto: „Wes das Herz voll ist, des geht der
Mund über“. Wir sind eingeladen zum Dialog. Wer sich
ernsthaft für die Lehre des Buddha interessiert, der möchte
auch wissen, was es mit diesem Jesus von Nazareth, dem Kind
in der Krippe und dem Kruzifix auf sich hat. Wenn wir uns
gerade in diesen Tagen als Christen zu erkennen geben, dann
werden wir gern nach dem Christkind gefragt.

Dann bin ich froh, wenn ich meine kleine Pocket-Bibel dabei
habe und ein paar Verse zitieren kann. Nur das Neue
Testament erzählt die Geschichte von Jesus Christus, z.B.
das Johannesevangelium: „So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn
glauben, nicht verloren gehen, sondern das Leben in Fülle
haben.“ Es herrscht große Aufmerksamkeit bei den
thailändischen Studenten, bei denen ich im Starbuck-Cafe
sitze. Sie haben so viele Fragen. Sie möchten wissen, ob sie
auch einmal an einem christlichen Gottesdienst teilnehmen
dürften. Die Lieder würden sie sehr interessieren. Noch nie
wären sie in einer christlichen thailändischen Kirche
gewesen, noch nie hätte sie jemand eingeladen mitzugehen.
Schade nur, dass bei uns in der Gemeinde nur deutsch
gesungen und gebetet wird.
Als erstes will aber einer wissen, wie ich mir denn einen
Gott vorstelle, der einen Sohn auf der Erde haben kann.
Jetzt wird es spannend, der Dialog ist voll entbrannt. Die
einzige Voraussetzung an diesem Tag war, dass ich genug Zeit
für eine Tasse Kaffee hatte, bei der mich fragende Studenten
nicht störten. Draußen auf der Straße sagte mir dann einer,
dass seine Familie sich dieses Jahr einen künstlichen grünen
Baum kaufen wolle. Sie möchten ihn dann so schmücken, wie
sie ihn im Fernsehen gesehen haben, mit vielen Lichtern und
weißer Watte und roten Kugeln.
Wir
brauchen Weihnachten nicht neu zu erfinden. Wir müssen den
tiefen Sinn nur wieder neu entdecken. Schon heute, ein paar
Tage vor dem Heiligabend, könnten wir zum Beispiel die
Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 lesen, vielleicht einmal in
einer modernen Übersetzung. Weihnachten hat auch für die
meisten von uns Christen etwas mit Sehnsucht zu tun, mit
Sehnsucht nach einer heilen Kinderwelt. Es gibt wahrlich
keinen Grund, sich dessen zu schämen. Ich höre Menschen frei
heraus sagen, dass sie einmal keine Nachrichten mehr hören
wollen von Taliban, Globalisierung, Westbank,
Beschleunigungswachstumsgesetz, Dollarschwäche und
Terroranschlag in Rawalpindi. Und ich verstehe das. Insofern
dürfen wir an Weihnachten unserer Sehnsucht nach den großen
Gefühlen auch hemmungslos nachgeben.
Aber es soll andererseits auch nicht so sein, dass wir schon
am 3. Januar aufwachen wie nach einem schönen Traum und uns
sagen, dass es nicht das ganze Jahr Weihnachten sein kann
und die Welt eben grausam ist und unbarmherzig weiterlaufen
wird mit Fressen und Gefressenwerden. Ich meine, dass wir
Weihnachten auch am 27. Februar noch feiern können, und
sogar am 25. Mai mitten in Thailand bei 40 Grad plus. Mit
dieser Überlegung bringen wir Thailänder auf der Suche nach
dem festlichen Weihnachtsgefühl natürlich vollends
durcheinander. Aber so erst zeigt sich die Bedeutung von
Weihnachten als der Feier der Menschwerdung Gottes für uns
und unsere Gesprächspartner.
Mit der Neuerfindung laufen wir in die Irre. Kommerz und
Wohlfühltaumel lenken uns nur ab. Sie können uns sogar in
die Verzweiflung führen. Psychologen warnen vor falschen und
zu hohen Erwartungen ans Fest. Für viele ist Weihnachten das
gefährlichste Minenfeld des Jahres. Da soll man plötzlich
mit Verwandten fröhlich feiern, denen man das Jahr über
möglichst wenig begegnen wollte. Und dann singt man auch
noch Lieder miteinander, deren erste Strophe man gerade noch
so hinbekommt. Dann stimmt wieder der viel zitierte Satz:
„Unter jedem Dach ein Ach“.
Deshalb ist Weihnachten gar kein Datum. Weihnachten ist
genau genommen das Osterfest in einem anderen Gewand. Ohne
die Botschaft von der Auferstehung würden wir nicht
Weihnachten feiern. Die Osterbotschaft aber besagt, dass
unser Todeshorizont durchbrochen, dass unser Sterben nicht
das Ende ist, und dass wir mehr sind, als wir oft selber
meinen. Das betrifft unser ganzes Leben und stellt es in ein
neues Licht. Nicht die Leistung des Menschen prägt die
Beziehung zwischen Gott und Mensch, sondern die
bedingungslose Annahme des Menschen durch Gott. Und so soll
es auch zwischen uns Menschen sein. Das ist unsere große
Sehnsucht, die wir an Weihnachten deutlicher als sonst
empfinden.
Ich beginne unsere Gottesdienste gern mit dem Satz, dass wir
im Namen dessen zusammen sind, der „das Leben liebte und die
Liebe lebte und uns gerade damit ein Beispiel gab“. Das wird
an Weihnachten deutlicher als sonst. Martin Luther hat das
in einem Weihnachtslied in unübertroffener Weise verdichtet:
„Er wird ein Knecht und ich ein Herr; das mag ein Wechsel
sein!“ Gott wollte nicht Gott und bei sich sein, er wollte
Mensch sein. Und Luther liebte auch zu sagen, dass Gott ein
großer Backofen voller Liebe sei. Das feiern wir an
Weihnachten, und das feiern wir in jedem Kind, in jedem
Menschen. Und das hat Auswirkungen auf unser ganzes Leben
und unseren Umgang miteinander.

Wir können ab jetzt unsere Meinung ändern, ohne das Gesicht
zu verlieren. Wir müssen nicht das letzte Wort behalten. Wir
können einander die Hand zur Versöhnung reichen. Wir können
unser Leben heute neu beginnen. Denn dieser Tag heute ist
der erste Tag vom Rest unseres Lebens. Wir können in unserer
Ehe und mit unseren Kindern und mit unseren Nachbarn heute
neu beginnen. Wir können einen Irrtum zugeben und uns für
einen Fehler entschuldigen und einen anderen um Vergebung
bitten. Es ist nicht nur viel Gift in Bangkoks Luft, es ist
viel Gift auf unserer Zunge und in unserer Sprache. Wir
können als Freunde dieses Jesus von Nazareth andere Wege
gehen und eine andere Sprache sprechen. Es ist die Sprache
der Engel, die wir an der Krippe von Bethlehem lernen
können: "Ehre sei Gott und Frieden auf Erden! Denn euch
ist heute der Heiland geboren, der Retter!"
Weihnachten ist geschehen, es muss nicht neu erfunden
werden. Weihnachten erzählt seit 2000 Jahren die Geschichte
Gottes mit den Menschen. Und diese Geschichte gipfelt in dem
Satz: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch
große Freude! Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst,
ich kenne dich mit deinem Namen, du gehörst zu mir!“ Das ist
allen Menschen gesagt. Der christliche Dichter Jochen
Klepper hat dies mit dem unvergleichlich tiefen Satz gesagt:
„Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt“. Darum
geht es.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes
Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr,
Ihr
Burkhard Bartel, Pfarrer
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