Unser Gemeindelogo               




 

GEDANKEN ZUM LOGO:

Wir haben ein neues Gemeinde-Logo. Das Wort Logos kommt aus dem Griechischen und heißt Rede, Wort und Vernunft. Das moderne Wort Logo, wie wir es heute verwenden, kommt aus dem Englischen und bedeutet Gepräge. Ein Logo ist laut Brockhaus ein Firmenzeichen, in Verbindung mit einer besonderen Farbe und Schrifttype. Es soll dazu beitragen, dass das Unternehmen über Produkte und deren Verpackung hinaus im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit identifiziert werden kann und sich von der Konkurrenz abhebt.

Ein Logo ist ein Zeichen, an dem das Wesentliche eines Betriebes erkannt werden soll.

Wir sind eine Gemeinde, eine Kirchengemeinde und haben nun ein neues Zeichen, an dem wir erkannt werden sollen und das für uns steht und für uns spricht und auch für uns wirbt.

Ein Logo soll einfach sein und sofort verstanden werden. Wenn man da erst rumrätseln muss, was das nun denn bedeuten könnte, dann hat das Logo seine Aufgabe schon verfehlt. Es muss eindeutig sein. Logisch.

Eines der markantesten Logos der letzten Jahre ist das aufwärts strebende Häkchen der Sport-Schuhfirma Nike. Nike wirbt mit dem Slogan dazu: Just do it! Also: mach es einfach, mach es doch. Adidas wirbt mit den drei Streifen, und Coca Cola mit dem berühmten Schriftzug mit den geschwungenen Linien. Das rote Kreuz wirbt für das Rote Kreuz und alle Autos halten an, wenn es mit Blaulicht daherkommt. Es wird verstanden. Die Flaggen der Länder sind natürlich auch Logos.

Unser Gemeindelogo ist erst einmal bunt. Drei Menschen tragen bunte Kleider. Katinkas erste Bemerkung in der vierten Klasse war dann auch: „Die sind alle so schön bunt und fröhlich, da möchte ich auch dabei sein.“ Ziel erfüllt, ließ mir das sagen.

„Da möchte ich auch gern dabei sein!“ Ja, unsere Gemeinde ist wie wohl jede Kirchengemeinde eine einladende Gemeinde, und da soll sich natürlich jeder Ankommende wohl fühlen.

Wir haben uns hier monatelang mit der Frage eines Zeichens für unsere Gemeinde beschäftigt. Viele Ideen kamen auf den Tisch und wurden wieder verworfen. Mögliche Symbole waren das Zelt, ein Kirchendach, ein Schiff, eine Taube, das Kreuz für sich stehend, ein Rad, ein Anker, eine Blume, gefaltete Hände, ein offenes Fenster, ein Baum, Fische.

Aber was ist nun zu sehen in unserem Logo, auf den ersten Blick und auf den zweiten?

Im 2. Kapitel der Apostelgeschichte wird von der ersten Gemeinde in Jerusalem berichtet, dass sie sich Tag für Tag einmütig im Tempel versammelten und das Abendmahl miteinander feierten in jubelnder Freude und mit reinem Herzen. Sie priesen Gott und wurden vom ganzen Volk geachtet. Das muss eine fröhliche Schar gewesen sein.

Der König David hat einmal getanzt. In 2. Samuel Kapitel 6 wird berichtet, dass David ausgelassen tanzte, als die Bundeslade nach Jerusalem kam. „So überführten David und die Männer aus ganz Israel die Lade des Herrn unter Jubelgeschrei und dem Schall der Widderhörner nach Jerusalem. Unterwegs tanzte er mit ganzer Hingabe vor dem Herrn und seiner Lade her.“

Manches Mal fehlt ja unseren Gottesdiensten etwas, was den ganzen Menschen anspricht. Tanzen wäre da eine Möglichkeit. Da kommt man von sich selbst weg, von seiner Ichbezogenheit. Da öffnet man sich für ein Du.

Die Vorgabe und Vorstellung für das Logo war aber nicht der Tanz, sondern nur, dass es fröhliche Menschen sein sollen. Und das ist dem Grafiker gelungen mit den hingeworfenen Linien, mit bewegten Armen und Beinen.

Und wieder waren es die jüngsten der Schüler, die entdeckten, dass das die Beine und Arme sind und gleichzeitig auch Flügel. Dass diese Menschen sich so leicht nehmen, als könnten sie auch fliegen, sie schweben.

Sie sind Individuen, jeder steht für sich, selbstbewusst und standfest. Und doch bilden sie ein Ganzes zusammen, eine Community, einen Reigen, eine Gemeinschaft, einen Kreis. Sie korrespondieren miteinander, sie harmonieren.

Peinlich beim Tanzen ist ja, wenn die Tanzpartner nicht denselben Schritt haben. Dann tritt man sich auf die Beine und fühlt sich irgendwie komisch. Den Dreien hier geht es nicht so. Sie feiern als Dreierteam das Fest des Lebens.

Aber eigentlich sind es gar nicht drei, es sind ja vier Personen. Zusammen mit dem Kreuz, mit dem Gekreuzigten, bilden sie einen Kreis, ein Ganzes. Das Kreuz ist der Fluchtpunkt. Im Kreuz treffen sich die Linien, im Kreuz wird der Kreis vollendet.

Es konnten nicht zwei Menschen sein, das haben wir bei den Skizzen schnell gemerkt. Und eine ganze Gruppe von Menschen durfte es auch nicht sein, denn dann wäre ein Logo unübersichtlich geworden. Drei ist schon die Fülle, die Vollzahl. Man schenkt drei Rosen zum Geburtstag, oder auch eine, aber nicht zwei oder vier.

Jesus sagt in Matthäus 18, Vers 20: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Er war unterwegs mit den zwei Emmausjüngern. Und sie erkannten ihn schließlich am Brotbrechen. Und sie wollten, dass er bleibt nach Einbruch der Dunkelheit.

Auf dem Berg der Verklärung waren sie zu dritt: Petrus, Jakobus und Johannes. So erzählt Matthäus die Geschichte in seinem 17. Kapitel. Während Jesus mit ihnen redete, erschien eine Wolke über ihnen, und eine Stimme aus der Wolke sagte: „Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt, auf ihn sollt ihr hören.“ Als die drei Jünger das hörten, warfen sie sich voller Angst nieder. Aber Jesus trat zu ihnen, berührte sie und sagte: „Steht auf, habt keine Angst!“

Nun werden aber die Personen zusammen erst ein Volles durch die vierte Person, durch Jesus. Alle drei zieht es zu und sogar in das Kreuz. Das Kreuz selbst ist aber nicht bunt. Das wurde schnell klar. Schwarz sollte es auch nicht sein. Vorgabe war eine Mischung aus Gold, Silber und Grau. Je nach Drucker erscheint es nun ganz verschieden, mal eher grau, mal eher silbern...

Das Kreuz ist das große Mysterium, und es ist unser Erkennungszeichen. Eine Thailänderin, die ein Kreuz trägt, darf man fragen, ob sie Christin ist. Sie wird es in den allermeisten Fällen bejahen.

Das Kreuz hat Weltgeschichte geschrieben. Und wenn wir uns jetzt austauschen würden über das Kreuz und unsere Gedanken und Gefühle dabei, ich denke, wir hätten ein sehr interessantes und langes Gespräch. Im Kreuz ist Heil, bekennen die einen. Anderen fallen aber als erstes die Kreuzzüge ein und all das Unrecht, das im Namen des Kreuzes verübt wurde. Der Mord an den Juden durch die Jahrhunderte und dann in Auschwitz. Und nun ging durch die deutsche Presse, wie noch in den 60er Jahren Kinder in kirchlichen Heimen gehalten wurden wie Sklaven.

Das Kreuz hier ist nicht nur das Verbindungselement und der Fluchtpunkt. Es stört auch irgendwie den fröhlichen Reigen. Die Botschaft vom Kreuz, so Paulus, erscheint der menschlichen Weisheit als Torheit. „Die Juden fordern von Gott sichtbare Machterweise; die Griechen suchen in allen Dingen einen Sinn, den die Vernunft begreift. Wir aber verkünden den gekreuzigten Christus als den von Gott versprochenen Retter. Für Juden ist das eine Gotteslästerung, für die anderen barer Unsinn. Aber alle, Juden wie Griechen, erfahren im Gekreuzigten Gottes Kraft und erkennen in ihm Gottes Weisheit.“

Gerade indem er den Tod auf sich nahm, hat er Sünde und Tod entmachtet. Er liebte das Leben und starb für die Liebe. Das ist geschehen und vollendet. Also sind die farbigen, leichter lebenden Menschen sehr angemessen. Der Gekreuzigte ist mitten unter uns und in uns.

Einige haben es schon erkannt. Die Farben im Bild sollen nicht die verschiedenen Rassen symbolisieren, die es ja auch gar nicht gibt: Schwarz für Afrika, gelb wie Chinesen oder rot wie Indianer. Nein, es sind die sieben Farben des Regenbogens.

Gott schloss einen Bund mit Noah und den Menschen. Nach der großen Zerstörung und der Rettung einer Familie mit den Tieren beschließt Gott: Ich zitiere aus 1. Mose 9: „Das ist der Bund, den ich für alle Zeiten mit euch und mit allen lebenden Wesen bei euch schließe. Als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. Er ist der sichtbare Garant für die Zusage, die ich der Erde mache. Jedes Mal, wenn ich Regenwolken über der Erde zusammenziehe, soll der Bogen in den Wolken erscheinen, und dann will ich an das Versprechen denken, das ich euch und allen lebenden Wesen gegeben habe: Nie wieder soll das Wasser zu einer Flut werden, das alles Leben vernichtet. Der Bogen wird in den Wolken stehen, und wenn ich ihn sehe, wird er mich an den ewigen Bund erinnern, den ich mit allen lebenden Wesen auf der Erde geschlossen habe. Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Gott schließt einen ersten Bund mit sich und den Menschen. Und er baut sich eine Eselsbrücke, ein Zeichen, das ihn selbst an sein Versprechen erinnern soll: Den Regenbogen. Nicht uns ist er ein Zeichen, sondern Gott selbst. Der bunte Bogen erinnert Gott an sein gegebenes Versprechen. Ist das nicht ein Grund zur Freude am Leben, an der Schöpfung, an der Natur, an der Vielfalt? Dies ist der 1. Bund.

Dieser Bund Gottes mit uns Menschen soll in den Farben zum Ausdruck kommen. Und im Kreuz bekräftigt Gott diesen Bund. Wir reden von einem zweiten Bund.

Am Abend vor seinem Tod war Jesus zum letzten Mahl mit seinen Jüngern zusammen. Er nahm das Brot, dankte, brach’s und teilte es mit ihnen. Und er nahm den Kelch, sprach darüber das Dankgebet, gab ihnen den und alle tranken daraus. Dabei sagte er zu ihnen: „Das ist mein Blut, das für alle Menschen vergossen wird. Mit ihm wird der Bund in Kraft gesetzt, den Gott jetzt mit den Menschen schließt.“

Davon leben wir. Im Abendmahl feiern wir es immer mit dem Satz: Kommt, denn es ist alles bereit. Es ist gerichtet, könnten wir auch sagen. Es ist getan. Es ist vollbracht. Wir können es nur noch annehmen und uns daran freuen und uns in Bewegung bringen lassen.

Und damit komme ich zur letzten Bemerkung. Ich fand schon in frühen Jahren einen Text von Theresia von Avila, einer Mystikerin im Mittelalter. Von ihr stammt das folgende Gedicht:

„Christus hat keine anderen Hände
als unsere Hände
um heute seine Arbeit zu tun.
Er hat keine anderen Füße als unsere Füße um Menschen auf seinen Weg zu führen. Er hat keine anderen Lippen als unsere Lippen um den Menschen seine Botschaft zu verkünden. Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest. Wir sind Gottes Botschaft, in Taten und Worten geschrieben.“

Das soll dieses Kreuz zum Ausdruck bringen: Wir sind, die unter dieser heillosen Welt leiden.

Wir sind, die auf Gewalt verzichten.
Wir setzen uns ein für Gerechtigkeit.
Wir sind barmherzig.
Wir sind die mit dem reinen Herzen.
Wir stiften Frieden als Söhne und Töchter Gottes.
Wir werden verfolgt, weil wir tun, was Gottes Wille ist.
Freuen dürft ihr euch, weil ihr zu mir gehört. Ihr seid selig gepriesen.
Freut euch und jubelt, denn bei Gott erwartet euch reicher Lohn.
Das sind die Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu.
Wenn ihr mir vertraut, sagt er, dann werdet ihr Größeres tun als ich es getan habe.
So hat das Kreuz unsere Arme. Der Gekreuzigte ist mitten unter uns und in uns.

Pfarrer Burkhard Bartel

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